Die Kommune
(1996)

Leben & Kunst.
Was wir gar nicht gerne mögen, ist lautes Gequassel am Frühstückstisch. Manchmal. Manchmal quasseln wir auch ziemlich viel. Eigentlich kann man kaum verallgemeinern, wieviel wir quasseln und was wir sonst so tun. Einige von uns frühstücken halt lieber allein oder erst zur Mittagszeit, aber damit hat auch niemand ein Problem. Wir möchten eine Gruppe werden von Menschen, die einen  Irrweg der Gesellschaft zu erkennen glauben, das Ihre zu einer Besserung beitragen wollen aber einsehen, selbst schon ein ganzes Stück weit mitdrinzustecken. So kommt es bei uns öfter vor, daß die ganze Gruppe auf der Couch vor dem Fernseher sitzt und Kartoffelchips knabbert - allerdings Chips aus biologischem Anbau. Einige von uns gehen arbeiten, die Gründung gemeinschaftseigener Betriebe ist durchaus denkbar. Ebenso der Kauf eines eigenen Hauses, in dem wir vor allem viel Platz zur Ausgestaltung unserer verschiedenen Vorstellungen haben werden. Herzstück eines unserer Wohnmodelle ist ein kombiniertes Werkstatts-Wohnzimmer-Atelier-Studio. Hier hinein haben wir unsere von den Einzelnen mitgebrachte "lebensbegleitende Technik" verbannt wie Fernseher, Musik, Video- und Fototechnik, unsere gesammelten CD-, Platten- und Kassettensammlungen. Hier stehen Musikinstrumente und Diaprojektor, Sitzecke und Mehrspurbandgerät. Künstlerische Betätigung sowie alles andere sind hier explizit möglich, auch Staffelei und Hobelbank stehen in diesem Zimmer, das mit der Küche, die genau am entgegengesetzten Ende des Hauses liegt, unsere Gemeinschaft letztendlich "definiert". Wir hören Musik, haben eine interessante Bibliothek und versuchen, mit den  "konsumierten" Künstlern in Kontakt zu treten. Wir haben schon mehrere Filme als Kollektiv gedreht und wuseln trotz alternativer Lebensvorstellung - wir konsumieren mit Bedacht und gehen möglichst verantwortlich mit Energie um - recht lebendig im Mainstream kulturellen Lebens mit. Paradoxerweise können wir gerade durch die intensive technische Ausstattung des Studios die Konsumschraube durchbrechen - wir haben hier praktisch alles -, und wir betrachten es als Erfolg, diese Technik so oft wie möglich NICHT zu benutzen. Wir versuchen, tolerant und gemeinschaftlich zu leben, sehen aber auch unsere Grenzen. Wenn der Energieaufwand, in einer Sache zu entscheiden, zu groß wird - vertagen wir die Entscheidung. Und ziehen uns in unsere Privatgemächer zurück...

Diese Gemeinschaft hier ist eine reine Phantasiegemeinschaft, zu der es noch viel zu schreiben gäbe. Auch das ist willkommen. Lassen Sie uns kommunizieren, auch wenn das hier nur das Internet und diese Zeichen hier nur Worte sind...